„Arrabarraba – Oskar“

Zum Abschied von Johan Sol, dem prägenden Volleyballtrainer des Gütersloher TV

Mit Johan Sol verliert der Gütersloher Volleyball eine seiner prägendsten Persönlichkeiten – einen Mann, der nicht nur Trainer war, sondern Erfinder, Organisator, Motivator, Dialektkünstler und leidenschaftlicher Gestalter eines ganzen Sportlebens. Sein berühmter Schlachtruf „Arrabarraba – Oskar“, dessen Bedeutung wohl nur er selbst kannte, steht sinnbildlich für seinen Humor, seine Kreativität und seine unerschöpfliche Energie.

Schon früh hinterließ er Eindruck. Ein Jugendspieler berichtete nach seinem ersten Training begeistert: „Wir haben einen neuen Trainer – der spricht wie Rudi Carell!“ Johan Sol sprach holländischen Dialekt, und so wurde aus dem Punkt der „Ponkt“ und aus „Komm, hopp!“ das unnachahmliche „Kommob“. Diese kleinen sprachlichen Eigenheiten machten ihn unverwechselbar und sorgten für viele Lacher – und für noch mehr Sympathie.

Portrait zum 70sten und immer noch als Trainer unterwegs

1975 gründete Johan Sol die Volleyballabteilung des Gütersloher Turnvereins mit einem A- und B-Mädchen Team. Innerhalb eines Jahres wuchs die Abteilung auf 100 Mitglieder an – ein Beweis für seine Überzeugungskraft und seine Fähigkeit, Menschen für Volleyball zu begeistern. Bereits in der ersten Saison stellte der GTV drei Herrenmannschaften mit einer für Johan typischen Aufteilung:

  • Herren 1: Die Guten
  • Herren 2: Die, die gut werden wollten – und bei den Herren in der Johan Sol selbst als Zuspieler mitwirkte
  • Herren 3: Die, die gut werden wollten und noch keine 18 waren
Johann erstes Damenteam 1976 im Gütersloher TV kurz nach Gründung der Volleyballabteilung

Johan coachte ein Damenteam, mit dem er 53 Spiele hintereinander unbesiegt in die Landesliga aufgestiegen ist.

Trainiert wurde damals noch gemeinsam in der kleinen Halle der Paul-Gerhardt-Schule – Damen wie Herren, dicht gedrängt in nur zwei Trainingszeiten, aber voller Leidenschaft.

Johan Sol führte auch die Herren 1 bis in die Landesliga – zu einer Zeit, als der Weg dorthin noch über Kreisklasse, Kreisliga, Bezirksklasse und Bezirksliga führte. Ein sportlicher Aufstieg, der heute kaum noch vorstellbar ist. Er erfand ein Sprunghöhenmessgerät, definierte Angriffskombinationen, gestaltete für die trainingsfreie Zeit Kreuzworträtsel und führte die legendäre „Tortenschlacht“ und das 10 DM Turnier ein, bei der Butterkuchen zur Stärkung der Spieler gespendet wurde.

Er liebte spektakuläre Aktionen wie den Hechtbagger – solange er ihn nicht selbst ausführen musste – und er liebte Spieler, die von anderen Vereinen zu ihm wechselten. Dabei vergaß er manchmal, dass seine eigene „Züchtung“ längst genauso gut oder besser war. Mit Fingerspitzengefühl und Humor brachte er dennoch alle zusammen.

Über 20 Jahre war Johan Sol Sportwart des GTV. Unter seiner Leitung wurden Spielerinnen und Spieler für die Westdeutsche Juniorenauswahl nominiert. Und selbst als er nach 30 Jahren Trainertätigkeit mit seiner 1. Damenmannschaft einmal aus der Landesliga abstieg, blieb er sich treu. Sein Kommentar: „Aber Kuchenbacken können sie gut!“

Johan und seine Landesliga Herren in den 90ern

Legendär war auch das jährliche „Dropping“ am 31. Oktober: Ein zugeklebter Bus, eine unbekannte Aussetzstelle irgendwo in der Pampa, Aufgaben, Rätsel, Punkte, ein gemeinsames Essen – und am Ende Sieger, die sich ihren Titel redlich verdient hatten. Diese Mischung aus Abenteuer, Gemeinschaft und Humor war typisch für Johan Sol.

Er brachte den internationalen Beachvolleyball 1996 und 1998 im Rahmen des City Treffs nach Gütersloh auf den Rathausvorplatz, holte sechs Länderspiele in die Stadt und fuhr mit seinen Volleyballern als Zuschauer zwischen Weihnachten und Neujahr mehrmals zu einem internationalen Turnier nach Apeldoorn. Seit 1995 war er Ehrenmitglied des Vereins – eine Auszeichnung, die kaum jemand so sehr verkörperte wie er.

Siegerehrung vom 1. Beach-Cup in GT 1996 im Rahmen vom CITY Treff auf dem Rathausvorplatz

Auch nach seiner aktiven Zeit blieb Johan Sol ein gern gesehener Gast bei den Spielen des GTV: kompetent, interessiert, jugendlich im Denken. Selbst nach einer schweren Operation galt für ihn nur eines: „Nie aufgeben!“

Seinen 95. Geburtstag im Jahr 2024 feierte er bei Kaffee und Kuchen mit „seinen“ Volleyballern – geistig wach, körperlich erstaunlich fit und voller Geschichten.

Johan Sol hat den Volleyball in Gütersloh geprägt wie kaum ein anderer. Er hat Menschen zusammengebracht, Generationen von Spielern begleitet und unzählige Geschichten erlebt, die bis heute weitererzählt werden.

Aus der Turnerpost zum 70sten

Man kann nicht alles erwähnen, was Johan Sol in seiner Volleyballzeit gemacht, geschaffen, gesagt und erfunden hat.

Doch eines bleibt sicher: Sein Geist, sein Humor und seine Leidenschaft werden im Gütersloher TV und in den Herzen vieler Menschen weiterleben.