Jubilarehrung 2023

Ehrung: Der Gütersloher TV zeichnet seine langjährigen Mitglieder aus. Paul-Heinz Wixforth und Herta Veldkamp sind 76 Jahre im Verein.

„Die schönste Zeit im Leben“

Von Jens Dünhölter

Gütersloh. Als der FC Schalke 04 im Jahr 1997 gegen Inter Mailand sensationell den UEFA-Pokal gewann, wurde der Ausspruch „Dat erzähl ich meine Enkel“ in Gelsenkirchen zum geflügelten Wort. „Davon erzähl ich meinen Enkeln“ kann auch ein Großteil der 34 Damen und Herren feststellen, die am Sonntag für Vereinstreue und teilweise jahrzehntelangem ehrenamtlichen Engagement beim Gütersloher TV ausgezeichnet wurden.

Nach drei Jahren Pause hatte der Vorstand um Vorturnerin Sabine Röhrs seine verdienten Mitglieder zur Jubilarehrung in die Aula der Michaelisschule eingeladen. Die Zwangspause hatten die Organisatoren genutzt, um die von 1947 bis 1997 reichende Reise durch fünf Jahrzehnte GTV-Historie in neues Gewand zu hüllen.

Der aus Altersgründen ausgeschiedene langjährige Moderator Klaus Rubert war vom mit Turnerblut ausgestatteten Journalisten Burkhard Hoeltzenbein ersetzt worden. Der ehemalige Basketballer entlockte den Jubilaren in launigen Kurzinterviews manch persönliche Geschichte. Das gab dem zweistündigen Wiedersehen viel Würze und jede Menge Authentizität.

Dass vier anwesende Jubilare in der Anmoderation schlicht vergessen wurden, erst durch persönliches Aufzeigen zu ihrer Ehrung kamen, moderierte Hoeltzenbein charmant weg. Aus der Gruppe der Geehrten ragten vier Auszeichnungen ein wenig heraus: Als Zeitzeugen begleiten Paul-Heinz Wixforth und Turnmutter Herta Veldkamp seit nun mehr 76 Jahren den GTV. Beide traten 1947 in den Verein ein.

Wixforth begann als Geräteturner. „Wir haben auf Sägemehl geturnt, später als Handballer mit dem Medizinball in der alten Halle Fußball gespielt. Es war die schönste Zeit in meinem Leben“, erinnerte sich der Ex-Handballer.

Unvergessen ist auch die Lebensleistung der mittlerweile 98-jährigen Herta Veldkamp. „Es gibt Menschen, da ist jedes Wort überflüssig. Sie ist Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und Ehrenmitglied des GTV“, kündigte Hoeltzenbein das 1951 als erste weibliche Turnwartin früh zu Meriten gekommene Urgestein an. Co-Moderatorin Tanja Rolle überreichte der Jubilarin den wohl schönsten verbalen Blumenstrauß: „Für mich ist Herta der Puls des GTV. Unermüdlich setzt sie sich in verschiedenen Ämtern und Funktionen ein. Für mich ist sie einfach ein Wahnsinns-Vorbild“.

Untrennbar mit der Vereinsgeschichte verbunden ist auch der Name Georg Endt. Der für 65 Jahre geehrte Ehrenvorsitzende führte den GTV durch die finanziell turbulenten 90er Jahre. „Du hast den Verein gerettet. Es ging um’s Eingemachte, es ging um’s Überleben. Es gab so viele finanzielle Baustellen. Ihr habt eine nach der anderen zugemacht“, erinnerte Hoeltzenbein an Zeiten, an denen den Turnern das Wasser bis zum Hals stand.

Ähnliches Durchhaltevermögen, gepaart mit dem Willen zum Umdenken und zur Modernisierung, beweist die für ihr silbernes Jubiläum ausgezeichnete aktuelle 1. Vorsitzende Sabine Röhrs. „Die Zeiten ändern sich, die Ansprüche und Anforderungen an einen Sportverein ändern sich. Dir geht es mit deinem Team darum, den Verein zukunftsfähig zu machen“, erinnerte Hoeltzenbein das Auditorium an die miteinander verzahnten Herkulesaufgaben des Verkaufs des Jahnplatzes und den Neubau des Vereinszentrums am Postdamm. Die nächste Jubilarehrung soll übrigens schon im Herbst folgen. Auch dann heißt es wahrscheinlich wieder: „Dat erzähl ich meine Enkel“.

Die Treuesten der Treuen: Hanna Drees (70 Jahre im Verein, v.l.), Paul-Heinz Wixforth (75 Jahre), Herta Veldkamp (75 Jahre), Ilse Schmedthenke (70 Jahre), Werner Brinkmann (70 Jahre), Rudolf Niewöhner (70 Jahre), die 1. Vorsitzende Sabine Röhrs (25 Jahre) und Gerhart Schreiber (70 Jahre) sind aus dem GTV nicht wegzudenken.

Fotos: Jens Dünhölter

Text und Bilder aus der NW vom 28.02.2023